Letzte Änderung: November 22 2005 13:32:46. - 625 Seiten archiviert
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Sonntag, 28.05.2000, 21:21 Uhr
Stichwort: CHAOSTAGE 2000
Auszüge über das bundesrepublikanische Punktum
Ein Report von Innen!

Eine der üblich falschen wie auch ausgesprochen dummen Aussagen bundesdeutscher Print und TV-Medien ist der berühmte Satz: Punk ist tot! Dieser wird denn auch tatsächlich seit der ersten Sex Pistols Auflösung von achso trendbewussten, wohlinformierten Journalyen unter die Leute gebracht und in unbestimmten Abständen kann man das ewig Gleiche über "die Punkjahre" von 77-79 darin nachblättern. In unserer amerikanisierten TV-Landschaft (& leider nicht nur in der) sieht es erwartungsgemäß kaum anders aus, als Beispiel erwähne ich die so wohlrecherchierten Punkafternoons on MTV, dort laufen auch meist nur Videos von längst aufgelösten Bands dieser Jahre.

Bad Religion, Green Day, Offspring, die Ärzte, die toten Hosen und ähnliche weithin bekannte Bands werden kausal kaum in Zusammenhang mit Punk gebracht, da man bei diesen Musikgruppen keine rabiate Anhängerschaft wie sie die frühen Punkbands ja durchaus hatten (wie etwa die Sham Army) auszumachen meint.

Lediglich in den Lokalzeitungen größerer wie auch kleinerer Ortschaften, kann man das Wort Punk auf das Heute bezogen lesen, entweder wenn eine ortsansässige Nachwuchskapelle vorgestellt wird, oder es mal wieder im verkommenem JuZe Ärger gab...

Bundesweites Aufsehen erweckt Punk nur an den (und nur an den!) Hannoverschen Punktreffen, wo, wie TV-Kommentatoren sagen, "Chaoten, besser gesagt Kriminelle aller Schattierungen, Chaostage zelebrieren".

Punk ist das aber egal, denn da es Punks komischerweise nur zu den Chaostagen zu geben scheint, so fährt man eben dorthin und präsentiert sich, mehr oder weniger klischeehaft, der In wie auch Ausländischen Presse. Könnte man meinen, oder?

Oder eben auch nicht. Denn, gab es für die Punktreffen in den 80 Jahren, konkrete, quasipolitische Gründe (ich erinnere an die Einführung der Hannoverschen Punkkartei, an das geplante United zwischen Nicht-Naziskins und Punks), so sah das in den 90ern denn doch vollkommen anders aus. Definitiv ist Punk keineswegs eine "Neue soziale Bewegung" (NSB) wie etwa die Autonomen, auch keine Jugendbewegung (was sich durch eine Altersuntersuchung schnell beweisen lassen würde), sondern vielmehr eine bestimmte Lebensweise. So sollten die Chaostage der neunziger Jahre tatsächlich "nur" eine riesige, wenn auch laute Party sein, die erst durch die, spätestens ab 95 vorhersehbaren, permanenten Störungen (Festnahmen, Verhaftungen, Anzeigen, Schläge etc.) durch staatliche Exekutivorgane zu den Chaostagen wurden mit jener Wortintention die inzwischen zum Allgemeinwissen eines jeden Bild-Zeitung bis Spiegel-Lesers gehört.

Außer den Punks selber, gibt es wohl nur sehr wenige Leute, die in der Lage sind, die unterschiedlichen Strömungen dieser Szene zu unterscheiden. Mitteilsame Soziologen die nach Ausschreitungen mit Punkbeteiligung gerne von den Medien zu Rate gezogen werden, sind, so würde Punk meinen kaum ihr Geld wird. Es existiert weiterhin tatsächlich nur sehr wenig, brauchbare bzw. aktuelle Literatur und Punk selbst ist nicht mitteilsam ausgerechnet an jene, dem Feindbild entsprechende Leute eine Erklärung des Punktums abzuliefern. Aus diesem Nichtwissen der Medien, Behörden und Bevölkerung, resultiert der Schluss, das Punk deshalb dem obengenannten Rest keine Gleichmacherei vorwerfen kann und das auch nicht tut. Punk ist es vollkommen gleichgültig was Außenstehende über Punk denken höchst selten wehren sich einige Punks allerdings gegen unbegründete!, Faschismusvorwürfe.

Jenseits vom Kötertum (wie von manchen Punks bestimmte, auffällig schmutzige Existenzen genannt werden und denen von einigen sogar das Recht sich Punk zu nennen abgesprochen wird ), welches meist der einzige medial bemerkte Punkflügel ist, existiert aber auch so was wie eine "geistige Elite," (die Punk sicher niemals so nennen würde) die tatsächlich im Stande war und ist auf ganz bestimmte Ereignisse Einfluß zu nehmen ohne sie jedoch regeln und steuern zu wollen. Zweifelsohne gehören insbesondere die Chaostage dazu. Ähnlich wie bei den Autonomen und im absolutem Gegensatz zu Neonazis, existieren jedoch keine (staatsgewünschten) Rädelsführer (die juristisch zur Verantwortung gezogen werden sollen). Punk schließt eine kommandierende, Führungsanspruch erhebende Oberschicht (wie linke NSB auch) von selbst aus. Das führte und führt noch, bei etwaigen Gerichtsverhandlungen, immer wieder zu Problemen für Punk (oder eben die radikale Linke), weil der Staat sich eben keine Strukturen ohne hiraschische Lenkung vorstellen kann bzw. will.

Weiterhin ist Punk wohl die einzige Subkultur (und eben nicht nur Jugendkult) die sich jenseits von kultureller Einbindung in ihrer üblichen Form (Vereinsbildung etwa) eine eigene, funktionierende und nonkommerzielle Infrastruktur, bestehend aus Veranstaltungsräumen, Fanzines, diverse DIY-Projekte etc., geschaffen hat. (Skinheads, Hip Hopper oder Techno verfügen über nichts vergleichbares, speziell die Technoszene disqualifiziert sich signifikant in ein abhängiges Aus, durch ihren hohen Kommerzialisierungsgrad...) Ansonsten greift Punk nur aus reiner Zweckmäßigkeit auf fremde, bzw. öffentliche Räume (für Konzertveranstaltungen etwa) zurück. Gelegentlich kommt es bei den jüngeren Punks zu, wenige Stunden andauernden, Spassbesetzungen, auf privaten "Normalofeten," wo nicht selten Kleinholz aus dem Inventar der in Beschlag genommenen Wohnung gemacht wird....

Um Missverständnisse vorzubeugen, sollte allerdings erwähnt werden das es im Punk, im Vergleich mit der Durschnittsbevölkerung, erwiesenermaßen keine ungewöhnliche Kriminellenrate gibt.

Aber wie ist das denn nun im Jahre 2000 mit den Chaostagen zu verstehen? Und was haben die "Punks von heute" denn dazu zu sagen? Was macht Punk heutzutage überhaupt aus?

Punkdefinitionen gibt es fast so viele wie es Punks gibt. Was Punk genau ist, kann daher nicht zweifelsfrei ge-, geschweige den erklärt werden! Einfacher dürfte es sein Punk beschreibt selbst was es nicht ist! Aber auch das wird dieser kurze Artikel nicht versuchen, da es hier nicht Thema sein soll. (Im Internet finden sich Stellungnahmen von und für Punks, in vielen Sprachen mit vollkommen unterschiedlichen Meinungen zum Thema Punkdefinition ...)

Tatsächlich gibt es aber auch Punks, welche fraktionsgetreu, oder auch nicht, den Chaostagen negativ gegenüberstehen. Auch wenn es sich um eine Minderheit handelt, gibt es keine Versuche der Mundtotmachung wie sie z.B. in der Politik, am Arbeitsplatz oder auch in den Familien vorkommen. Punk hat keinen Gruppenzwang, keine Sklaven und Chefs, daher kann im Grunde jeder Punk Rocker tun und lassen was er will.

Bedingt durch diese heterogene Mischung, ist es auch unmöglich vorherzusagen wie die Chaostage 2000 ablaufen werden. Man kann und Punk will das auch gar nicht tun. Höchstens kann gesagt werden das Punks aller Couleur versuchen dorthin zu gelangen, von den netten und hilfsbereiten Zivi- und Funpunks über den Nietenkaiser zur totalen Alkoholfraktion und den nichttrinkenden Straight Edgern, vom superpolitisiertem Autonomenpunk (Doppelmitgliedschaften schließen sich generell nicht aus) zur Hippiepunkbande, von denen zur 77er-Brigade zu den Metalpunks und den Hardcores etc. Diese alle, inklusive diverser Mischformen, wollen und werden wohl dort sein. Jeder bringt seine eigene mehr oder weniger "vernünftige" oder radikale Meinung und Gesinnung mit! Darunter sind friedliche Partywoller als auch konsequent gewaltbereite Leute die sich nichts von Außen gefallen lassen werden, aber auch Duckmäuser und durchgeknallte Endzeittypen die aus Mad Max zu stammen scheinen. Nette, Provokante, Idioten und Heinis, Gesprächs- und Konsensbereite treffen dann mit anderen Subkulturen wie Hooligans, Skinheads, Gothics, mit Neonazis und Jugendbanden zusammen. Dieses brodelnde Gebräu prallt dann auf eine Polizei, die, davon ist auszugehen, eine harte Linie fahren wird. Nur eins kann dabei herauskommen: Chaostage!

Wie diese sich dann tatsächlich entwickeln, demnächst auf dieser Webseite.

anonymous



anonymous, irgendwo in Deutschland

 

 
  Sorry,
das kann noch dauern...
-kn-
 
 
   
 
 
 
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