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Die Medienpolitik der Expo GmbH gibt doch Anlaß zu Bedenken. Nicht nur, daß sämtliche Medien einen Maulkorb hinsichtlich Protesten jedweder Art verpaßt bekamen, selbst bei den Besucherzahlen wird gelogen, was das Zeug hält. Gerademal 18 000 zahlende Besucher verirrten sich am vergangenen Montag auf das Ausstellungsgelände von der Größe Braunschweigs.
Woran liegt das, muß ich mich fragen. In Deutschland erfreuen sich seit langer Zeit Messen jedweder Art Besucheranstürmen sondergleichen: Landesgartenschauen, die Internationale Tourismusbörse, die ebenfalls in Hannover stattfindende Cebit usw. Ständig ist der Standarddeutsche auf der Suche nach den neuesten Produkten der Konsumindustrie in der Hoffnung ein Schnäppchen zu machen. Nur eine dieser vielen Messen bleibt aus unerfindlichen Gründen davon verschont: Die Expo!
Arme Expo. Hast Dich verspekuliert. Oder alles nur ein Rechtschreibfehler? Sollte es statt 40 Millionen vielleicht 4 Millionen heißen. Naja, kann ja jedem mal passieren. Aber auf eines darfst Du stolz sein: Alle wollen den Deutschen Pavillon sehen. Aber sind leider alles Ossis. Die stehen nämlich auf Schlangestehen. Erinnert sie wohl an die gute alte Zeit...
Es lebe die totale Propaganda! In Soaps wetteifern Möchtegernstarlets um einen Arbeitsplatz als Hostesse auf der Expo. Die armen Bundestagsabgeordneten müssen sich wohl demnächst aus ihrer neuen Heimstätte nach Hannover schimmeln, um Werbung zu machen. In "Big Brother" wird eine heilige Kuh, die Else, bemalt, damit die Expo um eine Attraktion reicher ist und die armen Bewohner der Stadt an der Expo müssen jeden Abend eine Lärmbelästigung ertragen, die vor einigen Jahren die leidgeprüfte Bevölkerung Ex-Jugoslawiens in Angst und Schrecken versetzt hätte. Und das für ein mehr als mittelsmäßiges Feuerwerk.
Alles irgendwie ein bißchen schäbig. Baustellen überall, der werte Besucher wird kräftig gemolken, selbst Parkplätze sollte man vorbestellen. Zumindest in dieser Beziehung haben wir Glück gehabt, Parkplätze für alle! Auch das Problem der Großkriminellen wie Penner, Haschischverkäufer und Graffitisprayer hast Du hervorragend gelöst. Endlich kann man sich wieder sicher fühlen.
Wenn Du das Aushängeschild für Deutschland sein sollst, sieht es düster aus: Nicht die Expogegner sondern Du selbst hast Dich ausgenockt! Es lebe die neue deutsche Unfähigkeit!
Felix Gerbrod, Berlin
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