|
Letzte Woche der Fußball-Europameisterschaft. Medien- und Agenturen berichten sachlich darüber, wie der Datenschutz unter die Räder gekommen ist. Ein Großhirn namens Fimes sei seit Beginn der EM im Einsatz. Standort: Dribergen nahe Utrecht in den Niederlanden. Nur selten werden Fragen ins Buchstabensüppchen gerührt: Wie konnten die Engländer Charleroi und Brüssel verwüsten?; wie verträgt sich das mit dem Datenschutz?
Am 6. Juli heißt es per Teaser in der taz: 'Die Mehrheit der Europaabgeordneten stimmt gegen einen Untersuchungsausschuss zur Überprüfung des britisch-amerikanischen Spionagesystem Echelon.' Hat Fimes nicht ganz die Qualitäten des Spionage-Netzwerks? Oder will man anderen nicht vorwerfen, was man sich selbst eingestehen müsste? Aber der Reihe nach, denn wer ist eigentlich Fimes?
Fimes diente belgischer und niederländischer Polizei als Infopool und Speicherplatte. Überwachung von bekannten 'Gewalttäter Sport' seien kein Problem mit Fimes gewesen. Bis hin zum Bewegungsprofil einzelner oder in Gruppen auftretender Hooligans reichte das Repertoire. 80 Beamte stillten und wickelten die bis dato umfangreichste Datensammlung bei einem Fußballturnier. Polizeibeamten der Veranstalterstaaten, aber auch allen Nachrichtendiensten und Grenzschützern in Europa war der Zugriff zum modernen Zettelkasten und Aktenschrank gestattet. Aus- oder Einreiseverweigerung wie auch Ermittlungen vor Ort seien mit Fimes ein leichtes gewesen.
Sehr gespannt wird man wohl sein dürfen, ob in diesem Jahr in Hannover oder gar ganz Deutschland zu den Chaos-Tagen die Ursuppe des Tumultes aufgepeppt werden soll. Immerhin war ein simples Karteikästchen die Initialzündung zu den 'Chaotentreffen'. Warum sollte derlei prähistorische Sammelleidenschaft nicht diesjährig in Bits und Bytes hochgerechnet werden? Fimes hieße dann wohl Pimes.
Zeckurityman
Zeckurityman, www
|