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Nachdem die Chaos-Tage 2000 ja
bereits seit etlichen Jahren immer
wieder angekündigt worden sind,
tauchen seit vergangenen Dezember
nun auch vermehrt mobilisierende
Flugblätter auf. Die Redaktion
von www.chaos-tage.de hat sich diese
Pamphlete einmal genauer angeschaut
und ist dabei zu interessanten Ergebnissen
gekommen.
Die uns auf verschiedenen Punk-Konzerten
in die Hände gefallenen Flugblätter
wie auch die anonym zugeschickten
Exemplare decken wie schon in früheren
Jahren das ganze Chaos-Spektrum
ab. Auf manchen werden "4 Wochen
Chaostage" propagiert, auf
anderen nur für das erste Augustwochenende
mobilisiert. Auf einigen Flyern
spielt das Thema EXPO 2000 eine
herausragende Rolle, auf anderen
wiederum wird die EXPO gar nicht
erst erwähnt. Auch was geplante
Vorhaben auf den Chaos-Tagen angeht,
gibt es keinen gemeinsamen Plan:
Während ein Flyer im klassischen
Funpunkstil das Motto "Punx
ficken für Hannover" propagiert,
geht es auf einem anderen Papier
eher brachial zur Sache: Zu sehen
ist eine Plünderungsszene,
versehen mit dem Spruch "SO
muß Politik sein!"
Auf anderen Flugblättern wird
eher der nihilistischen Provokation
gehuldigt: "Meine Damen, meine
Herren! Ich befehle den Angriff
auf Hannover. Die Stadt muß
bis zum 5. August 2000 fallen. Gezeichnet:
Feldmarschall von Manstein".
Oder die satirische Variante als
Attacke gegen Hannovers Polizeipäsident
Klosa: "Die Klo/SA marschiert
wieder!"
Am interessantesten ist aber sicher
ein Flyer, der im exakt gleichen
Layout wie die 94 und 95er-Aufrufe
gehalten ist und schon dadurch hervorsticht.
Zur Erinnerung: Der '94er-Flyer
enthielt nur Fun-Parolen("Wir
schützen unseren schönen
Hauptbahnhof vor Schnorrern")
und wurde mangels anderer Materialien
immer wieder als angebliches "Schutt-und-Asche"-Flugblatt
in die TV-Kameras gehalten.
1995 gab es dann - dick als FÄLSCHUNG!
gekennzeichnet - ein Brutalo-Flugblatt
im gleichen Layout. Nun hieß
es tatsächlich: "Freitag
16.00 Uhr - Vergewaltigung von Polizistinnen!"
Versehen aber mit dem Zusatz: "Genau
so ein Flugblatt haben uns die Pressewixer
im letzten Jahr unterstellt, aber
NIE vorzeigen können!"
Den Zusatz übersah man dann
in der folgenden Medienberichterstattung
geflissentlich, sondern zitierte
lieber genüßlich die
Details über die angekündigte
"größte und blutigste
Straßenschlacht der letzten
10 Jahre": "Es wird viele
tote Bullen geben!"
In dieser eher satirischen"Tradition"
und im gleichen Layout bewegen sich
nun die unbekannten Verfasser der
neuesten Variante, die bereits viele
Verteiler gefunden hat: Man werde
"wie ein Heuschreckenschwarm
zu Tausenden über die niedersächsische
Landeshauptstadt herfallen"
und sie in eine "Müllhalde
voll leerer Bierdosen und gefüllter
Präservative verwandeln".
Man wolle als "potentielle
Massenmörder schlimmer als
die Nazis" sein.
Auch die Medien kriegen mit der
Parole "RTL befiehl - wir folgen
dir!" ihr Fett weg, ebenso
werden aktuelle politische und gesellschaftliche
Themen angesprochen. Wie beim Sturm
der Russen auf Grosny erwartet man
eine "Aufforderung durch das
Militär an alle, die Stadt
zu verlassen. Wer bleibt, ist Terrorist
und wird getötet." Und:
"Wir erklären den Kindern,
weshalb Gewalt schlimm ist und weshalb
sie ihre Lehrer nicht erschießen
dürfen."
Den Punks dürfte diese spielerische
und doch provokante und nicht ohne
Hintersinn geführte Herangehensweise
gefallen - wie Medien, Politik und
Polizei auf dieses Flugblatt reagieren,
bleibt abzuwarten.
Karl
Nagel , Hamburg
Die
dokumentierten Flugblätter
zum Download
Die
Textversion des "Traditionsflugblattes"
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