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Während der Chaostage 1996 wurde in Bremen eine
24-seitige ungebundene Broschüre
im DIN A5-Format mit dem Titel "Theologisches
FORUM" verteilt, die sich anonym
an diejenigen Teilnehmer der Chaostage
richtete, die nicht zur Presse oder
Polizei gehören und daher Gefahr
liefen, des Platzes verwiesen zu
werden. Neben einigen Artikeln und
Kommentaren, die im Stil eines Punkfanzines
aufgemacht sind, beinhaltete das
Pamphlet auch Tipps für den
Umgang mit Polizeibeamten.
Bereits auf der zweiten Seite ist
zu lesen, daß "Bullen […]
nicht nur scheiße, sondern
auch verdammt neugierig" seien und
gerne fragten, was man denn in Bremen
zu suchen habe. Um nicht in die
Verlegenheit zu kommen, keinen anderen
Grund als die Chaostage nennen zu
können, findet sich weiter
unten eine Auflistung von Veranstaltungen
in Bremen. So konnten sich damals
etliche Punker damit herausreden,
eigentlich ein Konzert, eine Party
oder den Flohmarkt besuchen zu wollen.
Für den Fall, daß man
doch einen Platzverweis kassierte,
bietet das Heftlein gleich eine
komplette juristische Handhabe dagegen.
Auf
Seite vier findet sich entsprechender
Aufruf.
Es ist nicht bekannt, wie viele
Punker ihren Platzverweisen auf
diese Art und Weise Widerstand entgegenbrachten.
Auf jeden Fall aber läßt
die Sprache des Briefes und des
Widerspruches auf einen in juristischen
Dingen bewanderten Autor schließen
- vermutlich einen mit der Punkszene
solidarisierten Rechtsanwalt. Wenn
es auch Polizeibeamte geben mag,
denen es nicht schmeckt, wenn die
von ihnen verteilten Platzverweise
und angedrohten Ingewahrsamnahmen
von den Punkern auf juristischem
Wege aufgehoben werden, so ist schon
allein die Möglichkeit, auch
als Punker zu solchen Rechtsmitteln
zu greifen, ein Beweis für
die hervorragende Rechtssicherheit
in der Bundesrepublik Deutschland.
Daß man zur Ausschöpfung
dieser Rechtsmittel einiges an juristischem
Wissen braucht, ist allen bekannt.
Leider waren die Punker auf den
Chaostagen 1996 in Bremen auf die
Hilfe der unbekannten Autoren des
"Theologischen FORUM" angewiesen.
Die Punker, die dieses Jahr nach
Hannover fahren, können sich
nicht automatisch darauf verlassen,
daß sich wieder ein anonymer
Rechtskundiger soviel Zeit nimmt.
Aber ohne eine solche Hilfe kann
Rechtssicherheit nicht gewährleistet
werden. Daher müssen die für
Recht und Ordnung verantwortlichen
Gremien handeln. Die Stadt Hannover
muß Formbriefe für Widerspruch
gegen Platzverweis und Ingewahrsamnahme
an alle anreisenden Punker verteilen.
Denn wenn die Chaostage schon stattfinden
müssen, dann doch wenigstens
im Rahmen unseres Rechtssystems.
Peter
Seyferth, München
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