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Das Chaostage-Trainingslager hat tatsächlich stattgefunden! Jedoch ganz anders, als wir es uns ursprünglich vorgestellt hatten: Punks lungern in der ganzen Stadt, vor allem aber in der Bahnhofsgegend herum, saufen, hören Musik, machen eine tierisch gute Party, und wandern abends zu Konzerten oder sonstwohin. Ungefähr so wie die richtigen Chaostage.
Und da haben wir doch glatt den Fehler gemacht zu glauben, daß wir das Chaos berechnen könnten. Nur funktioniert das nicht im Geringsten. Jedesmal, wenn man denkt, man hätte es verstanden, ändert es seine Richtung, formiert sich neu und taucht urplötzlich dort auf, wo man es überhaupt nicht vermutet. Es läßt sich nun eben mal nicht in ein Schema pressen.
Die angekündigten Treffen am Bahnhof fielen wegen der Omnipräsenz der Polizei schlichtweg flach. Man traf sich in Kleingruppen, dezentral über die Stadtteile Mitte, LInden und Nordstadt verteilt, schloß sich den autonomen Gruppen an, schlief im Camp, bei neuen Bekanntschaften, in leerstehenden Häusern und vertrieb sich die Zeit mit den Unmengen von Aktionen, die von der autonomen Klientel angeboten wurde. Ganz wie Punk ist: Man nimmt was man kriegen kann.
Es gab eine ganze Palette von Trainingsmöglichkeiten. Dem Spott auf verschiedenen Diskussionsseiten zum Trotze, die von Steinewerfen auf Übungsplätzen, Techniken beim Barrikadenbau in autonomer Kadermanier, Komasaufen und Massenficken sprachen, konnte Punk sich darin üben, Polizisten in Zivil zu enttarnen, sich aus Polizeikesseln davonzuschleichen, Methoden herauszufinden, wie er in die Stadt kommt und auch nicht so schnell wieder herausgeschmissen wird.
Und das alle live bei Sicherheitsstufe 1. Eine bessere Vorbereitung auf die Chaostage im August kann Punk sich doch gar nicht vorstellen.
Insgesamt trieben sich in der Stadt während den drei Tagen um die 250 Punks herum, die meisten mit der klassischen Punkertarnung Basecap und Bomerjacke.
Überraschend war der hohe Anteil an Hooligans, die in der Leinestadt nach Unterhaltung und Abenteuer suchten, nach einhelliger Meinung belief sich unsere Schätzung auf 150 Fußballfreunde.
Das angekündigte Konzert im Pavillon am 3. Juni erwies sich als Flop, Durch Unmengen von Polizisten wurde die dort stattfindende Abifeier, die wie auf einem Flugblatt angekündigt, zur Abschlußparty des Trainingslagers umfunktioniert werden sollte, geschützt, und so die chaotische Wendung verhindert werden.
Gespannt warten wir auf den 10. Juli und das erste Augustwochenende, an dem wir selbstverständlich über die chaotischen Entwicklungen berichten werden.
Ich möchte mich bei allen Helfern der Live Berichterstattung bedanken, ganz besonders bei dem CVD im Osten der Stadt, unserer Gastgeberin Inge Borg und dem Chaoten, bei dem ich vernünftigen Kaffee serviert bekam.
Felix Gerbrod, Berlin
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