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Mittwoch, 21.06.2000, 17:06 Uhr
DFB & Polizei: Ohnmächtig angesichts Erster, Zweiter und Dritter Halbzeit!

Mit dem Ausscheiden der deutschen Mannschaft bei der EM in Belgien hat sich gezeigt, daß nicht die gefürchteten Hooligan-Krawalle, sondern die deutsche Mannschaft selbst die schlimmsten Schlagzeilen liefert. Dennoch dürfte seitens der Hooligans die "Dritte Halbzeit" noch längst nicht zu Ende sein.

Mit einem beispiellosen Polizeiaufgebot, koordiniert mit den Sicherheitskräften vieler Länder, unterstützt durch eine Pressekampagne, die die zu erwartende Hooligan-Gewalt in einem wahren Horrorgmälde dargestellt hat, aber gleichzeitig unverkennbar nach Blut gierte, wurde die Europameisterschaft in Belgien vorbereitet. Bekannte Gewalttäter sollten bereits an den Grenzen aufgehalten werden, jeder Gewaltausbruch durch massiven Polizeieinsatz unmöglich gemacht werden.

Aber nichts da: Bereits am ersten Tag gab's Zoff, und auch die riesigen Polizeiarmeen und Sicherheitsvorkehrungen konnten die harten Auseinandersetzungen zum Spiel Deutschland - England nicht verhindern. Und das, obwohl sich viele deutsche Hooligans tatsächlich von den Sicherheitsvorkehrungen hatten abschrecken lassen und gar nicht erst angereist waren!

Es ist aber kaum vorstellbar, daß sich die deutschen Hools ihre "dritte Halbzeit" so einfach nehmen lassen, und alle uns vorliegenden Hinweise lassen darauf schließen, daß viele Hools ihre Sommersaison in Hannover bei den Chaos-Tagen komplettieren werden Ob dies in Auseinandersetzungen mit Punks mündet, oder aber wie 1995 in gemeinsamen Aktionen gegen die Polizei, die bekanntermaßen mit dieser Konstellation völlig überfordert war, ist jetzt noch nicht abzusehen.

Nachfolgend ein Interview, das unser Korrespondent Felix Gerbrod mit einem Hooligan führte.

Geile Randale gibt's auf jeden Fall...

Die Redaktion sprach mit einem Hooligan, der vorzeitig aus Belgien abreisen muße. Aus gegebenen Anlaß präsentieren wir an dieser Stelle das Interview.

Redaktion: Du bist gerade aus Belgien zurückgekommen.

Peter*: Ja, die Bullen haben mich ausgewiesen, als wir in Charleroi ankekommen waren. Dafür war die ganz Stadt voll mit englischen Hools. Ungefähr 80 Prozent Tommys und 20 Prozent Deutsche.

R: Woran hat das gelegen?

P: Ich denke mal, wenn das mit dem Bullen in Lens nicht passiert wäre hätte es keinen solchen Trouble mit Schily usw. gegeben. Aber durch Frankreich sind die scheiß Medienwichser auf uns scharf geworden. Da hieß es: Die deutschen Hools sind die schlimmsten, da müssen wir was dagegen unternehmen.

Das hat richtig Paranoia unter den Hools ausgelöst. Die meisten haben ja Familie, Haus und einen Job und wollten es nicht riskieren, wegen ein bißchen Randale das alles aufs Spiel zu setzen.

R: Unter den Hooligans wird diskutiert, daß die Szene nach und nach ausstirbt, weil keine neuen Leute nachkommen und andererseits die Bundesligaspiele immer besser geschützt werden.

P: Das stimmt nicht ganz. Du hast Recht, wenn Du meinst, daß in der Bundesliga immer weniger Randale möglich ist. Aber was ist mit 2. Liga und Regionalliga? Kaum Bullen, kaum Medienleute und viel geilere Fußballstimmung. Wenn die Bundesliga nicht mehr läuft, gehen wir eben woanders hin. Und Randale gibt es nicht nur bei Fußballspielen. Der 1. Mai ist ein Klassiker, wo ich jedes Jahr hingehe. Oder andere Demos.

R: Wie würdest Du Deine politische Einstellung bezeichnen?

P: Ich bin weder rechts noch links. Diese ganzen Extremen fahren doch den total falschen Film. Ich habe kein Problem mit Deutschland: Das ist das Land, in dem ich aufgewachsen bin, dessen Sprache ich spreche, und außerdem bin ich in der Kultur verwurzelt.

R: Was hast Du vor, nachdem die EM für Dich gelaufen ist? Auf unserer Seite haben wir ja einen Flyer dokumentiert, der alle Hooligans dazu aufruft, zu den Chaostagen nach Hannover zu fahren. Was hältst Du davon?

P: Chaostage finde ich voll in Ordnung. Das wird auch kontrollmäßig nicht so hart abgehen wie in Belgien. Zumindest nicht für Hools, weil die Bullen scharf auf Punks sind. Und wir sind verdammt unauffällig. Wer mit den normalen Hoolklamotten antanzt ist selbst schuld.

Und geile Randale gibt's auf jeden Fall. Entweder die Bullen oder die Punks, je nachdem, wie sich's entwickelt.

R: Wie stehst Du eigentlich zu Punks?

P: Habe ich keine besondere Beziehung zu. Ich habe so gut wie nichts mit ihnen zu tun. Die Dreckigen von denen finde ich abstoßend. Aber ich habe auch mal einen kennengelernt, der war total ok, stand genauso auf Randale wie wir.

Herzlichen Dank für das Gespräch.

*Name von der Redaktion geändert

Karl Nagel, Hamburg

 

 
  Sorry,
das kann noch dauern...
-kn-
 
 
   
 
 
 
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