| Wenige Tage
vor dem Auftakt der Chaos-Tage von
Hannover haben sich organisierte Gegner
des Mega-Events zu Wort gemeldet:
Der "Verein zur Verhinderung der Chaostage
e.V." will massiv Mitglieder und Sympathisanten
mobilisieren, um die Polizei bei Ihren
Abwehrmaßnahmen gegen die Chaoten
zu unterstützen. Als erste Aktion
ruft der Verein für Samstag,
den 8. Juli zu einer Menschenkette
(genannt "Licherkette") auf.
Der bereits vor einem halben Jahr
gegründete Verein hat sich
zum Ziel gesetzt, eine Wiederholung
gewalttätiger Chaos-Tage mit
allen Mitteln zu verhindern. Die
12 Gründungsmitglieder - davon
ein Gutteil Punks - sind davon überzeugt,
daß nur durch den persönlichen
Einsatz möglichst vieler Chaos-Tage-Gegner
eine "Orgie von Gewalt und Zerstörung"
vermieden werden kann. Daher werden
z.Zt. auch massiv Mitglieder aus
dem ganzen Bundesgebiet geworben.
Alle "wahren Punks" müßten
als "Gegner und Gegnerinnen dieser
sinnlosen Veranstaltung (...) nach
Hannover kommen und im Stadtbild
Präsenz zeigen".
"Wir haben einfach die Schnauze
voll!", so Michael Tilsner, der
Schatzmeister des Vereins. Während
die Chaoten zum wiederholten Male
Hannover "in Schutt und Asche" legen
wollten, schaue die Polizei nur
tatenlos zu: "Und ausbaden muß
es der kleine Beamte im Steinhagel!",
so Tilsner.
Das sieht auch der 1. Vorsitzende
des Vereins so: "Ich bin gerade
Vater geworden, und ich will nicht,
daß mein Kind in Ruinen aufwächst.
Wo doch gerade erst durch die EXPO
endlich mal was für die Stadt
getan worden ist."
Sicher, Punks seien sie schon
noch, aber eben keine Gewalttäter.
"Punk ist in den letzten Jahren
zu einem Teil der Gesellschaft geworden",
heißt es dann auch in einem
"9-Punkte-Programm
zu Verhinderung der Chaos-Tage".
"Wir wollen in Ruhe unser Bier trinken,
Spaß haben und Musik hören.
Und das machen uns die Idioten kaputt!",
beschreibt Krautwald dagegen seine
Empörung über die "entmenschlichten
Krawallmacher".
Michael Tilsner aber ist zudem
"total schockiert", daß es
tatächlich Punks gibt, die
mit Hooligans bei den Chaos-Tagen
gemeinsame Sache machen wollen:
"Sowas hat es früher nicht
gegeben." Nein, er kenne keine Hooligans,
aber das findet er auch ganz in
Ordnung: "Man liest das doch ständig
in der Zeitung. Die wollen doch
alle nur Gewalt, nichts als Gewalt!
Damit aber die Gewalt keine Chance
hat in Hannover, will man während
der gesamten Chaos-Tage mit ständigen
Aktionen auf der einen Seite vor
Gewalt warnen, andererseits aber
auch die Polizei bei ihrem Kampf
gegen die Chaoten zumindest symbolisch
unterstützen.
"Wir hatten daher für den
10. Juli - dem Auftakt der Chaos-Tage
- eine Licherkette in der Innenstadt
Hannovers angesetzt." erklärt
Krautwald. Die Polizei habe die
Veranstaltung aber nicht genehmigt
und nur Samstag, den 8.Juli als
Aktionstag zugelassen. "Es ist wie
1995", ist sich Krautwald sicher:
"Damals haben die Chaoten auch mit
Entscheidungsträgern bei der
Polizei unter einer Decke gesteckt.
Am Ende war die Stadt ein Trümmerfeld."
Damit sich ein solches Szenario
nicht noch einmal wiederholt, ruft
der Verein insbesondere am ersten
Augustwochenende - dem "Höhepunkt"
der Chaos-Tage, alle friedliebenden
"Punks und andere Mitmenschen" nach
Hannover, um den Gewalttätern
effektiven Widerstand zu leisten.
"Wir werden uns vor Supermärkte
stellen, um ihre Plünderung
zu verhindern.", kündigt Tilsner
die Aktionen an. Die ganze Stadt
wolle man mit einem "Netz des Friedens
und der Toleranz" überziehen.
Vorher aber will man bei der Licherkette
am übernächsten Samstag
zeigen, daß das keine großen
Sprüche sind: "Wir erwarten
eine Vielzahl UnterstützerInnnen
aus Hannover und der näheren
Umgebung. Danach werden alle wissen,
daß wir es ernst meinen. Verdammt
ernst!"
.Übrigens: Das mit der "Licherkette"
ist kein Tippfehler - "Licher"
ist eine Biersorte...
Karl Nagel,
Hamburg
Samstag, 8. Juli 2000, 14.00
Uhr/Nordmannpassage (Hannover-Innenstadt)
Menschenkette ("Licherkette")
gegen die Chaos-Tage
Vorher ab 10:00 Uhr Info-Stand
Lesen
Sie das vom VZVDC verfasste "9-Punkte-Programm
zu Verhinderung der Chaos-Tage"
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