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Dienstag, 04.07.2000, 16:31 Uhr

Hannoverscher Polizeipräsident zu Fernseh-Diskussion aufgefordert!

 

In einem "Offenen Brief" hat Karl Nagel, der Betreiber dieser Website, den hannoverschen Polizeipräsidenten Hans-Dieter Klosa zu einer Fernsehdiskussion gefordert.

Nach der von RTL verbreiteten Nachricht, Nagel sei der "Veranstalter" der Chaos-Tage, war in den letzten Tagen durchgesickert, daß auch die Polizei Nagel den "Aufruf" zu den Chaos-Tagen unterstellt. In dem Offenen Brief versichert Nagel nun, daß er weder zu Chaos-Tagen aufrufe noch sie veranstalte, sondern lediglich das Interesse habe, seinen "beruflichen Unternehmungen durch öffentlichkeitswirksame Aktionen neue Impulse zu geben". Weiterhin sei er aber auch immer bereit gewesen, allem "damit konfrontierten Parteien die Möglichkeit zur Darstellung und damit zum Austausch ihrer Positionen" zu geben. Bisher hätten aber fast nur Chaos-Tage-Befürworter dieses Angebot angenommen, die Polizei aber ist bis heute auf ein entsprechendes Schreiben nicht eingegangen.

Um dieses Versäumnis nachzuholen und gemeinsam "per Information und Diskussion eine friedliche Lösung zu suchen", hat Nagel den hannoverschen Polizeipräsidenten nun zu einer Fernsehdiskussion gefordert.

Nagel wird am kommenden Samstag auch in Hannover bei der Kundgebung des "Vereins zur Verhinderung der Chaostage e.V." sprechen.

Hier nun der Originaltext des "Offenen Briefes":

OFFENER BRIEF AN DEN HANNOVERSCHEN POLIZEIPRÄSIDENTEN HANS-DIETER KLOSA

Sehr geehrter Herr Klosa,

wenige Tage vor Beginn der in diesem Jahr für vier Wochen angekündigten Chaos-Tage und rund vier Wochen vor ihrem "Höhepunkt" am 1. Augustwochenende (4.-6.8.) halte ich die Zeit für gekommen, mich einmal persönlich an Sie, den Verantwortlichen für die Vorbereitung und Koordinierung des Polizeieinsatzes zur EXPO 2000 - und damit auch der Chaos-Tage - zu wenden.

Mir ist nämlich zu Ohren gekommen, in Ihrer Behörde sei die Ansicht weit verbreitet, daß von meiner Seite zu diesen Chaos-Tagen aufgerufen würde. Mehr und mehr bekomme ich so den Eindruck, daß Sie - möglicherweise mit voller Absicht - falsch informiert werden, um Macht- und Ränkespiele auf Ihrem und meinem Rücken auszutragen.

Zunächst einmal folgendes: Sicherlich ist meine persönliche Biographie eng mit dem Thema Chaos-Tage verbunden - schließlich war ich zu Beginn der Achtziger einer derjenigen, die die Chaos-Tage ins Leben gerufen haben. Seitdem hat mich dieses Thema immer sehr interessiert, weshalb ich auch all die Jahre über immer als Autor in Sachen Chaos-Tagen in Erscheinung getreten bin.

18 Jahre sind nun seit den ersten Chaos-Tagen vergangen, und das einstmalige "Punkertreffen" ist schon längst keines mehr, sondern hat sich zu einem Event für erlebnisorientierte Jugendliche aller Art entwickelt - von Punks und linksorientierten Jugendgruppen über Hooligans bis zu eigentlich sonst überhaupt nicht auffälligen Personen.

Diese 18 Jahre sind natürlich auch an mir nicht spurlos vorübergangen. Mein Leben hat sich geändert - ich bin kein Punk mehr - und meine Einstellungen ebenfalls. Heute bin ich 39 Jahre alt, von Beruf selbständiger Webdesigner und voll in die Gesellschaft integriert. Um meinen beruflichen Unternehmungen durch öffentlichkeitswirksamen Aktionen neue Impulse zu geben, kam mir zu Beginn dieses Jahres die Idee, alle zu den Chaos-Tagen von mir gesammelten Materialien im Internet der Allgemeinheit zur Verfügung zu stellen, ergänzt durch neue Beiträge zur aktuellen Entwicklung. Von Seiten der Redaktion der von mir verantworteten Website www.chaos-tage.de wird dabei eine möglichst neutrale Haltung zu diesem schwierigen Themenkomplex eingenommen, versehen mit sicherlich satirisch überhöhten Spitzen.

Andererseits aber soll angesichts der anstehenden Chaos-Tage allen damit konfrontierten Parteien die Möglichkeit zur Darstellung und damit zum Austausch ihrer Positionen gegeben werden. Daß dieses Angebot bislang in erster Linie von Chaos-Tage-Befürwortern wahrgenommen wurde, ist zwar nicht in meinem Sinne, unterliegt aber auch nicht meinem Einfluß. Schließlich ging diese Offerte bereits am 20. März 2000 per Email an Expo-Gesellschaft und Polizei.

Aber diese von mir initiierte Berichterstattung und Dokumentation als "Aufruf zu Chaos-Tagen" zu werten, ist nicht in Ordnung. Wer sich diese Position zu eigen macht, müßte auch die Medien, die 1994 und danach die unsägliche Schutt- und Asche-Legende erst verbreiteten und die Chaos-Tage so zur Legende erhoben, für die darauf folgenden Gewalttaten verantwortlich machen.

Ich stelle hiermit an dieser Stelle noch einmal unmißverständlich klar:

- Ich rufe weder zu den Chaos-Tagen auf noch veranstalte oder organisiere ich eine Versammlung mit diesem Namen. Gegenüber anderslautenden Behauptungen behalte ich mir rechtliche Schritte vor, falls ich mich anders gegen diese Geschäfts- und Rufschädigung nicht zu wehren vermag.

Um diese Position zu unterstreichen, weise ich an dieser Stelle noch einmal darauf hin, daß alle ca. 40 von mir in meiner Eigenschaft als Kanzlerkandidat der APPD organisierten Veranstaltungen in den Zentren diverser Großstädte - auch Hannover - friedlich verliefen. Zu den dabei eingesetzten Beamten pflegten wir stets ein freundliches Verhältnis - eine Behauptung, die Sie durchaus durch Nachfragen bei den entsprechenden Dienststellen überprüfen können. Wir haben nach diesen Veranstaltungen auch immer unseren Müll beseitigt und auch sonst alles getan, was die Polizei uns abverlangte. Als politische Partei waren wir uns unserer Vorbildfunktion stets bewußt.

Nichts läge mir also ferner, als nun Gewaltaktionen irgendeiner Art zu organisieren. Ich habe damals auch immer die APPD als "legalen Arm der Chaos-Tage" bezeichnet, um zu verdeutlichen, daß man derartige Veranstaltungen durchaus im Rahmen der gesetzlichen Vorschriften abzuhalten vermag.

Aus diesem Grunde werde ich auch am kommenden Samstag (14 Uhr/Nordmannpassage) als Redner auf der Kundgebung des "Vereins zur Verhinderung der Chaostage e.v." teilnehmen, dem ich - so wie ich es mit Texten von Ihrer Seite ebenfalls handhaben würde - auf www.chaos-tage.de bereits eigene Seiten zur Verfügung gestellt habe.

Ich will sie also auf diesem Wege darüber unterrichten, daß alle Ihnen vorliegenden Informationen über mich schlichtweg FALSCH sind. Ich erinnere hier nur daran, daß sich die Polizei schon immer in Sachen Chaos-Tagen sehr schlecht informiert gezeigt und oft blanken Unsinn für bare Münze genommen hat. Mit meinem Wirken setze ich mich dafür ein, daß derartige Fehlschläge nicht wieder vorkommen.

Um zu verhindern, daß insbesondere das erste Augustwochenende in Gewalt und Chaos endet, und um per Information und Diskussion eine friedliche Lösung zu suchen, würde ich mich gerne einmal im Rahmen einer öffentlichen Fernsehdiskussion mit Ihnen über diese Problematik auseinandersetzen. Ein derartiger Dialog wäre sowohl im Interesse der Bürger Hannovers wie auch vieler Punks und anderer Jugendlicher.

Um eine derartige Fernsehdiskussion zu ermöglichen, geht dieser Brief als Kopie an die Medien und wird zudem im Internet verbreitet.

Im Anschluß finden Sie noch einmal den Text des von mir am 20. März verschickten Angebots an die Polizei zur Mitarbeit an www.chaos-tage.de.

Mit freundlichen Grüßen

Karl Nagel

ORIGINALTEXT DES SCHREIBENS VOM 20.3.2000 AN DIE POLIZEI

Hallo,

falls Sie bislang noch nicht von dieser oder jener Stelle auf unsere Website

"http://www.chaostage.de"

aufmerksam gemacht worden sein sollten, möchte ich dies hiermit heute nachholen. Werfen Sie doch einfach mal einen Blick auf unsere Seiten - es dürfte sich dort auch für den im Sommer anstehenden Polizeieinsatz manche Neuigkeit finden.

Bitte begehen Sie aber nicht den Fehler, anhand der Bezeichnung der Website eine einseitig ausgerichtete Intention zugunsten von "Chaos-Tagen" zu vermuten. Absicht ist vielmehr die im Sommer zu erwartenden Ereignisse möglichst lückenlos zu dokumentieren. Pluralismus, nicht Einseitigkeit ist hier oberstes Gebot. Voraussetzung dafür ist aber, daß nicht nur eine Seite dieses Angebot annimmt.

In der Praxis heißt das, daß wir inhaltlich völlig offen gegenüber allen Positionen sind und allen möglichen Interessenten das Angebot machen, Ihre Positionen und Statements auf www.chaos-tage.de zu veröffentlichen.

Vor einer möglicherweise ablehnenden Entscheidung beachten Sie bitte, daß schon in der jetzigen Anfangsphase täglich über 300 Besucher von unserem Angebot Gebrauch machen und die Zahl ununterbrochen steigt.

Bitte nehmen Sie uns also zumindest in Ihren Verteiler für Pressemeldungen auf - aber auch sonstige Statements und Erklärungen zum Thema werden ohne jede Restriktionen oder gar "Zensur" auf der Website veröffentlicht!

Über Beiträge, die sich eigens an unsere Besucher richten, würden wir uns natürlich besonders freuen.

Mit freundlichen Grüßen

Karl Nagel

redaktion@chaos-tage.de



Ralf Zenga, Hannover

 

 
  Sorry,
das kann noch dauern...
-kn-
 
 
   
 
 
 
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