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Sonntag, 30.07.2000, 17:01 Uhr

Hohe Akzeptanz für Chaostage

 

Auf zwei Konzerten im süddeutschen Raum befragte einer unserer Berichterstatter die anwesenden Punks, ob und wie sie nach Hannover reisen würden. Die Zustimmung bei jungen wie alten Punks ist sehr positiv.

In einem Studenten-Club in Karlsruhe spielte eine Deutschpunk- und eine Hardcore-Band, beide aus der Region; es waren gut 150 Personen anwesend, und die Stimmung war ausgesprochen gut. Ein Szene-Aktivist verteilte Flugblätter, die von den anwesenden Punks mit großem Interesse gelesen wurden.

Ich fragte einige jüngere Punks, ob sie nach Hannover fahren wollten. »Na klar«, sagte einer, den ich auf vielleicht 18 Jahre alt schätzte. »Auf jeden Fall fahren wir. Wir fahren mit dem Auto, und wir tarnen uns halt gut.« Er fuhr mit der Hand über seinen grünen Iro. »Die Haare kommen halt unter die Mütze.«

Ein anderer Punk anfangs 20 erzählte, er wollte zusammen mit einer größeren Gruppe von sogenannten Nietenpunkern aus Stuttgart fahren. »Wir fahren erstmal nach Hamburg. Von dort aus schauen wir dann, was in Hannover oder Bremen geht. Wir sind ja mobil.«

Eine junge Punkette schaute eher zerknirscht. »Ich kann nicht, ich bin zu zweit«, erzielte sie und wies auf den Bauch. »Noch eineinhalb Monate. Und das ist mir dann zu riskant. Schade eigentlich ...« Sie grinste. »Aber es ist doch gut, daß auch Punks Kinder kriegen und nicht nur die blöden Spießer.«

Zweiter Schauplatz am Tag darauf. Ein Punk-Konzert im Freien auf einer Wiese bei Pforzheim. Bands aus Freiburg, Mannheim und aus den USA spielten auf. Auch hier wurden Flugblätter verteilt; viele diskutierten die Möglichkeiten, wie man denn am sinnvollsten nach Hannover kommen könne.

»Wir fahren mit dem ICE«, erzählte ein Punk aus Mannheim. »Und wir fahren direkt an den Hauptbahnhof. So gut getarnt wie wir sind fallen wir keinem Bullen auf.« Als einziges Problem nannte er die Schlafplatz-Situation. »Aber das wird schon irgendwie gehen. Wenn das Wetter gut ist, pennen wir im Park.«

»Und ich trampe«, behauptete ein Punk aus Gießen. »Ich muß halt zwei oder drei Rasten vor Hannover raus, und dann frage ich mich solange durch, bis ich einen finde, der mich direkt in die Innenstadt reinfährt. Das klappt dann schon.«

Ich fragte noch einen Punk aus Karlsruhe, der schon Mitte der 30 ist und bei den Chaostagen in den 80er Jahren dabei war. »Blöde Frage!« schnauzte er mich an. »Natürlich fahr' ich nach Hannover. Ich laß mir von den Bullen doch nicht den Spaß verderben!« Er verwies auf seine ausgesprochen normale Frisur. »Mit den Haaren halten die mich für einen seriösen Bürger, und dann besuche ich eben die Expo. Pffff.«



Klaus N. Frick, Karlsruhe

 

 
  Sorry,
das kann noch dauern...
-kn-
 
 
   
 
 
 
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